Regieleistungen im GaLaBau: Warum ein Teil Ihrer Arbeit nie abgerechnet wird

Regieleistungen im GaLaBau: Warum ein Teil Ihrer Arbeit nie abgerechnet wird

Einleitung

Im Garten- und Landschaftsbau entsteht ein erheblicher Teil des Ergebnisses nicht im Angebot, sondern auf der Baustelle.

Der Boden ist schlechter als angenommen. Der Bauherr wünscht eine zusätzliche Stufe. Die vorhandene Leitung liegt anders als geplant. Der Aushub muss entsorgt werden statt vor Ort zu verbleiben. Ein Wurzelstock kommt zum Vorschein, der nicht in der Ausschreibung stand.

In diesen Momenten ist die Kolonne vor Ort und entscheidet pragmatisch: Sie macht es. Das ist im Sinne des Kunden, im Sinne des Bauablaufs und häufig unvermeidbar.

Abgerechnet wird es oft nicht.

Nicht, weil kein Anspruch bestünde, sondern weil zwei Wochen später niemand mehr belegen kann, was gemacht wurde, wie lange es gedauert hat, wer es beauftragt hat und wie der Zustand vorher war.

Der Vorarbeiter erinnert sich. Der Bauherr erinnert sich anders. Die Diskussion endet mit einem Kompromiss oder mit Verzicht.

Bei einem Betrieb mit sechs Kolonnen summiert sich dieser Verzicht über ein Jahr zu einem Betrag, der die Marge deutlich verändert.

Das Problem: Die Leistung wird erbracht, aber nicht dokumentiert

Der Ablauf ist in vielen Betrieben identisch:

  • Auf der Baustelle entsteht Zusatzbedarf.
  • Der Vorarbeiter spricht mit dem Bauherrn oder dem Bauleiter, mündlich.
  • Die Arbeit wird ausgeführt.
  • Auf dem Stundenzettel steht am Abend die Gesamtstundenzahl der Kolonne – ohne Trennung nach Position.
  • Zwei Wochen später wird die Rechnung geschrieben.
  • Der Zusatzaufwand ist in der Gesamtstundenzahl nicht mehr identifizierbar.
  • Entweder wird geschätzt, oder es wird nicht abgerechnet.

Auffällig ist dabei: Kaum ein Betrieb kann sagen, welcher Anteil seiner geleisteten Stunden auf nicht beauftragte oder mündlich beauftragte Zusatzleistungen entfällt. Genau dieser Anteil entscheidet über die tatsächliche Marge eines Bauvorhabens.

Der zweite Verlust ist weniger sichtbar, aber nicht kleiner: Ohne Trennung nach Position ist keine Nachkalkulation möglich. Der Betrieb weiß nicht, welche Leistungen er zu günstig kalkuliert – und wiederholt den Fehler im nächsten Angebot.

Ursachen: Warum die Dokumentation ausbleibt

Dokumentation gilt als Bürotätigkeit

Auf der Baustelle wird gearbeitet, nicht geschrieben. Diese Haltung ist verständlich – und sie kostet Geld, weil die Information dort entsteht und nur dort erfasst werden kann.

Der Stundenzettel kennt keine Positionen

Wenn nur die Gesamtstundenzahl der Kolonne erfasst wird, ist keine Zuordnung möglich. Die Trennung nach Position oder Leistungsart ist der entscheidende Unterschied.

Es gibt keinen definierten Ablauf für Zusatzbedarf

Ohne festgelegtes Vorgehen – wer entscheidet, wer informiert, wie wird festgehalten – entscheidet jede Kolonne anders.

Der Zustand vorher wird nicht festgehalten

Bei Bodenverhältnissen, Bewuchs oder vorhandenen Leitungen ist der Nachweis des Ausgangszustands entscheidend. Ein Foto kostet zehn Sekunden und ist zwei Wochen später der einzige belastbare Beleg.

Mündliche Absprachen werden nicht bestätigt

Eine mündliche Beauftragung des Bauherrn ist auf der Baustelle Alltag. Ohne kurze schriftliche Bestätigung ist sie später nicht belegbar – und häufig auch nicht wirksam vereinbart.

Aufmaße entstehen im Büro aus dem Gedächtnis

Was nicht vor Ort gemessen wurde, wird geschätzt. Bei Flächen und Massen ist die Abweichung erheblich.

Netzabdeckung und Praxistauglichkeit werden nicht bedacht

Eine App, die nur online funktioniert oder zwölf Eingabefelder verlangt, wird bei Regen mit Arbeitshandschuhen nicht genutzt. Das ist kein Motivationsproblem.

Die Rechnung wird zu spät geschrieben

Je größer der Abstand zwischen Leistung und Abrechnung, desto schwächer die Beweislage und desto größer die Diskussionsbereitschaft des Kunden.

Lösungsansätze: Erfassen, wo die Information entsteht

1. Vier Wochen Stichprobe

Auf zwei bis drei Baustellen wird konsequent getrennt erfasst: Stunden je Position, Zusatzleistungen einzeln, mit Kurzbeschreibung. Danach wird verglichen, was davon in der Rechnung landete. Diese Übung ersetzt jede Diskussion über den Nutzen.

2. Die Stundenerfassung nach Position trennen

Der wichtigste Schritt. Nicht die Gesamtstundenzahl der Kolonne, sondern Stunden je Leistungsposition, mindestens getrennt nach Hauptauftrag und Zusatzleistung.

3. Wenige, klar unterscheidbare Kategorien

Vier bis sechs genügen: Leistung nach Auftrag, Zusatzleistung beauftragt, Zusatzleistung ohne Auftrag, Behinderung/Wartezeit, Rüst- und Fahrzeit. Mehr wird im Feld nicht korrekt gewählt.

4. Mobile Erfassung mit wenigen Feldern

Praktikabel ist eine Lösung mit drei bis fünf Eingaben je Eintrag, großen Bedienflächen, Auswahl statt Freitext und Offline-Fähigkeit mit späterer Synchronisation. Die Erfassung muss von der Kolonne in unter einer Minute erledigt sein.

5. Fotodokumentation zur Pflicht machen

Vor Beginn, bei Auffälligkeiten, nach Abschluss. Bei Bodenverhältnissen, vorhandenem Bewuchs und Leitungen ist das Foto der entscheidende Beleg. Automatische Zuordnung zu Baustelle, Datum und Uhrzeit ist wichtiger als Bildqualität.

6. Aufmaß vor Ort erfassen

Direkt auf der Baustelle, digital oder auf einem vorbereiteten Formular mit Skizze. Ein Aufmaß aus dem Gedächtnis ist eine Schätzung.

7. Mündliche Beauftragung sofort bestätigen

Eine kurze schriftliche Bestätigung noch am selben Tag – auch als Nachricht mit Foto. Sie hält fest, was, warum, in welchem Umfang und von wem beauftragt wurde.

Bei Bauleistungen können für Nachträge und Änderungen zusätzliche vertragliche Anforderungen gelten, insbesondere wenn die VOB/B vereinbart ist. Die Anzeige- und Nachweisobliegenheiten sollten je Vertragsart bekannt sein und in den Ablauf eingebaut werden.

8. Eine Freigaberegel für die Kolonne festlegen

Bis zu welchem Aufwand darf der Vorarbeiter selbst entscheiden, ab wann ist der Bauleiter einzubeziehen? Ohne diese Regel entstehen entweder ungeplante Kosten oder unnötige Stillstände.

9. Wöchentlicher Abgleich statt Monatsende

Ein kurzer Wochendurchgang: Welche Zusatzleistungen sind aufgelaufen, welche sind zu bestätigen, welche gehen in die nächste Rechnung. Der Abstand zur Leistung bleibt damit klein.

10. Nachkalkulation je Position auswerten

Sobald Stunden je Position vorliegen, entsteht die Auswertung, die vorher nicht möglich war: Welche Leistungsarten sind systematisch unterkalkuliert. Erfahrungsgemäß zeigt sich eine deutliche Konzentration auf wenige Positionen.

11. Mit einer Kolonne beginnen

Nicht alle gleichzeitig. Eine Kolonne über vier Wochen zeigt, was funktioniert – und liefert die interne Referenz für die Einführung bei den übrigen.

12. Drei Kennzahlen führen

  • Anteil der erfassten Zusatzleistungen, die abgerechnet wurden
  • Zeit von Leistung bis Rechnungsstellung
  • Abweichung Soll-Ist-Stunden je Leistungsposition

Praxisbeispiel: Ein typischer Fall aus dem Garten- und Landschaftsbau

Das folgende Beispiel ist anonymisiert und beschreibt eine typische Ausgangslage.

Ein Garten- und Landschaftsbaubetrieb mit rund 45 Mitarbeitenden und sechs Kolonnen hatte gute Auftragslage bei schwacher Rendite. Die Geschäftsführung vermutete zu niedrige Angebotspreise und wollte die Kalkulationsansätze pauschal anheben.

Zunächst wurde vier Wochen lang auf drei Baustellen getrennt erfasst: Stunden je Position, Zusatzleistungen einzeln mit Kurzbeschreibung und Fotos.

Der Vergleich mit den gestellten Rechnungen zeigte drei Punkte.

Erstens war ein erheblicher Teil der erfassten Zusatzleistungen nicht abgerechnet worden. In den meisten Fällen nicht wegen einer Ablehnung durch den Kunden, sondern weil sie bei der Rechnungsstellung nicht mehr identifizierbar waren.

Zweitens betraf ein wesentlicher Anteil der Zusatzarbeit unerwartete Bodenverhältnisse und Entsorgung. In keinem Fall existierte ein Foto des Ausgangszustands.

Drittens zeigte die Nachkalkulation, dass zwei Leistungspositionen systematisch unterkalkuliert waren – während andere Positionen deutlich über der Kalkulation lagen. Eine pauschale Preiserhöhung hätte die falschen Positionen getroffen.

Der Betrieb stellte die Stundenerfassung auf Positionsebene um, mit fünf Kategorien und mobiler Erfassung über Diensthandys der Vorarbeiter, offline-fähig und mit maximal vier Eingaben je Eintrag. Fotodokumentation vor Beginn und bei Auffälligkeiten wurde verbindlich. Mündliche Beauftragungen wurden am selben Tag schriftlich bestätigt. Ein wöchentlicher Abgleich zwischen Bauleitung und Büro wurde eingerichtet.

Der Anteil abgerechneter Zusatzleistungen stieg deutlich. Die Kalkulationsansätze wurden nicht pauschal angehoben, sondern für zwei Positionen angepasst – auf Basis eigener Zahlen.

Bemerkenswert war eine Nebenwirkung: Die Zahl der Diskussionen mit Bauherren ging zurück. Nicht, weil weniger nachgefragt wurde, sondern weil der Nachweis vorlag.

Die Erkenntnis daraus: Die Preise waren überwiegend richtig. Ein Teil der Leistung wurde nur nie in Rechnung gestellt.

Fazit

Im Garten- und Landschaftsbau entscheidet die Baustelle über die Marge – und die Baustelle ist der Ort, an dem am wenigsten dokumentiert wird.

Der Hebel liegt nicht in mehr Bürokratie, sondern in einer Änderung: Stunden werden je Position erfasst statt als Kolonnensumme, und Zusatzleistungen werden im Moment ihrer Entstehung festgehalten – mit Foto und schriftlicher Bestätigung noch am selben Tag.

Die Erfassung muss dabei in unter einer Minute erledigt sein, offline funktionieren und mit Arbeitshandschuhen bedienbar sein. Alles andere wird nicht genutzt, unabhängig von der Anweisung.

Der Nebeneffekt ist der eigentliche Gewinn: Erst mit Stunden je Position ist eine Nachkalkulation möglich. Und die zeigt regelmäßig, dass nicht alle Positionen zu günstig kalkuliert sind – sondern wenige.

Eine pauschale Preiserhöhung trifft dann die falschen.

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der wichtigste erste Schritt?
Die Trennung der Stundenerfassung nach Leistungsposition, mindestens getrennt nach Hauptauftrag und Zusatzleistung. Ohne diese Trennung ist keine Zuordnung und keine Nachkalkulation möglich.

Wie viele Kategorien sind sinnvoll?
Vier bis sechs. Mehr wird im Feld nicht korrekt gewählt und liefert deshalb keine verwertbare Auswertung.

Warum ist Fotodokumentation so wichtig?
Weil sie den Ausgangszustand belegt. Bei Bodenverhältnissen, Bewuchs und vorhandenen Leitungen ist das Foto zwei Wochen später der einzige belastbare Nachweis.

Reicht eine mündliche Beauftragung durch den Bauherrn?
Sie ist auf der Baustelle Alltag, aber später schwer belegbar. Je nach Vertragsgestaltung können zusätzliche Anforderungen an Anzeige und Nachweis von Nachträgen bestehen – insbesondere bei vereinbarter VOB/B. Eine kurze schriftliche Bestätigung am selben Tag ist in jedem Fall sinnvoll; die vertragliche Bewertung gehört in rechtliche Prüfung.

Welche technischen Anforderungen muss eine Erfassungslösung erfüllen?
Offline-Fähigkeit mit späterer Synchronisation, wenige Eingabefelder, große Bedienflächen, Auswahl statt Freitext, automatische Zuordnung von Baustelle, Datum und Uhrzeit.

Wie oft sollte abgeglichen werden?
Wöchentlich. Der Abstand zwischen Leistung und Abrechnung ist der wichtigste Faktor für die Durchsetzbarkeit.

Lassen Sie uns gemeinsam prüfen, welcher Teil Ihrer Leistung nicht abgerechnet wird

Sie möchten wissen, wie viel Zusatzaufwand auf Ihren Baustellen entsteht und welcher Anteil davon in der Rechnung landet? Wir unterstützen Sie gerne bei der Stichprobe und beim Aufbau einer praxistauglichen Erfassung.

Quellenverzeichnis

  • Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen, Teil B (VOB/B), insbesondere § 2 (Vergütung) und § 6 (Behinderung und Unterbrechung der Ausführung). Berlin: Beuth Verlag.
  • Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), insbesondere §§ 631 ff. (Werkvertrag) und §§ 650a ff. (Bauvertrag, u. a. Anordnungsrecht und Vergütungsanpassung). https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/
  • Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL): Fachinformationen und betriebswirtschaftliche Veröffentlichungen. Bad Honnef: BGL. https://www.galabau.de
  • DIN EN ISO 9001:2015: Qualitätsmanagementsysteme – Anforderungen, Abschnitt 8.2.3 (Überprüfung der Anforderungen), Abschnitt 8.5.6 (Steuerung von Änderungen) und Abschnitt 7.5 (dokumentierte Information). Berlin: Beuth Verlag.
  • Ohno, Taiichi (1988): Toyota Production System: Beyond Large-Scale Production. Portland: Productivity Press. (Warten und Nacharbeit als Verschwendungsarten)

Hinweise: Dieser Beitrag behandelt die betriebliche Dokumentation von Zusatzleistungen. Er enthält keine Rechtsberatung. Ob und unter welchen Voraussetzungen ein Vergütungsanspruch für zusätzliche oder geänderte Leistungen besteht, hängt von der Vertragsgestaltung und dem Einzelfall ab und sollte rechtlich geprüft werden. Bei der Einführung von Erfassungssystemen sind datenschutzrechtliche Anforderungen und, bei bestehendem Betriebsrat, Mitbestimmungsrechte zu beachten. Das Praxisbeispiel ist anonymisiert und beschreibt eine typische Ausgangslage.

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